Spöcker kämpfen um ihr Bad

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 18.11.2023 13:07 | 14 Kommentare

Die Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Spöcker Hallenbads rückt näher. Bei der Ortschaftsratssitzung vergangenen Donnerstag stellte der Arbeitskreis seine Empfehlung vor, der sich die Mitglieder des Ortschaftsrates einstimmig anschlossen. Sie wollen Ehrenamtliche finden, die Sanierung und Betrieb übernehmen und damit die Stadt finanziell entlasten. Dafür bitten sie um Zeit bis April nächsten Jahres. Ob der Gemeinderat dem zustimmt, entscheidet sich am 11. Dezember.

Gleich mehrere Vertreter:innen der Stadtverwaltungen waren am Donnerstag in das Spöcker Begegnungszentrum gekommen, um detailliert die Untersuchungsergebnisse der vergangenen Monate zum Spöcker Lehrschwimmbad vorzustellen. Wie immer bei diesem in Spöck emotionalen Thema war der Publikumsbereich gut gefüllt.

Neubau kostet 7,4 Millionen Euro, eine Sanierung 5,5 Millionen

Erstmals würden nun umfassende und belastbare Daten als Entscheidungsgrundlage vorliegen, so Erste Bürgermeisterin Tamara Schönhaar. „Eine Grundsatzentscheidung ist nun möglich.“ Das Format der Arbeitsgruppe lobte sie ausdrücklich. Gleichzeitig bedauere sie das große Misstrauen mancher. So habe es den Verdacht gegeben, die Stadt habe den Wasserfilter absichtlich zerstört, um das Bad schließen zu können.

Im Folgenden präsentierte die Verwaltung den aktuellen Zustand des Gebäudes mit Zahlen und Bildern. Ein Fachbüro habe Untersuchungen und Einschätzungen vorgenommen, die zu verschiedenen möglichen Ergebnissen führten. Vom reinen Erneuern des Filters über eine Generalsanierung mit Hubboden bis hin zu einem Neubau oder der Stilllegung und Abriss reichen die Varianten. Ein Neubau würde dabei geschätzt mit 7,4 Millionen Euro zu Buche schlagen, eine Generalsanierung mit 5,5 Millionen Euro. Selbst eine Stilllegung kostet Geld, hier wird mit 1,2 Millionen Euro gerechnet. Fazit des Gutachters: Ein Weiterbetrieb sei nur mit einer Generalsanierung möglich. Ein Neubau wiederum sei wirtschaftlich sinnvoller als eine Sanierung.

In Vertretung von Kämmerin Anja Leyerle stellte Bauamtsleiter Johannes Klawe die Finanzsituation der Stadt Stutensee vor mit einem geplanten Defizit von 7 Millionen Euro im kommenden Jahr. Daneben stellte er die Bewirtschaftungskosten des Bades und die Investitionen über die vergangenen Jahre. Eine Grundsanierung mit Abschreibung über 50 Jahre würde zu einer Kostenunterdeckung von etwa 256.000 Euro jährlich führen.

Abschließend stellte Ortsvorsteherin Karin Vogel ein Beispiel einer alternativen Betriebsform über eine Genossenschaft und damit die Empfehlung des Arbeitskreises vor. Die Arbeitsgruppe solle privat weitergeführt werden – also ohne personelle Beteiligung der Stadtverwaltung – und bis zum 30. April 2024 im Rahmen einer Kampagne Kompetenzen und Ressourcen suchen sowie ein Konzept erstellen, um das Bad anschließend weiterführen zu können. „Die Chance ist nicht groß“, so Vogel, „aber ich will auch die kleine Chance nutzen.“

DLRG: „Bewerten Sie den Nutzen, nicht nur die Kosten“

Nach der Präsentation der Verwaltung bekamen auch Vertreter aus der Nutzerschaft die Möglichkeit für eine Stellungnahme. „Mir geht es in letzter Zeit nicht gut“, begann Ralf Berger, technischer Leiter der Ausbildung der DLRG Spöck. Er bemängelte, dass es bei der Betrachtung nur um Kosten gegangen sei. 2003 habe sich sein Verein verpflichtet, den Badebetrieb mit erheblichem Zeitaufwand ehrenamtlich zu übernehmen. Die Stadtverwaltung habe sich im Gegenzug bereit erklärt, das Bad offen zu halten. Die DLRG sei der Verpflichtung immer nachgekommen. „Was ist mit der Verpflichtung der Stadt? Fehlanzeige!“ Er kritisierte, dass die Mitglieder des Gemeinderats sich nicht die Meinung der Bevölkerung anhören wolle. Im Vergleich zum Stutenseebad sei der Hubboden in Spöck ein großer Vorteil. Dazu komme die geeignete Atmosphäre, es gebe keine Ablenkung im Bad für die Kinder. „Seien Sie sich der Tragweite einer Schließung bei den Kindern und Jugendlichen bewusst“, appellierte er. „Denken Sie an nachfolgende Generationen, lassen Sie uns gemeinsam versuchen, das Hallenbad irgendwie zu erhalten!“

Übergabe der Unterschriften zum Erhalt des Bades an Tamara Schönhaar (rechts)

Unterstützung bekam er von Andreas Schill, einem weiteren DLRG-Mitglied der Arbeitsgruppe. „Die Arbeitsgruppe ist deutlich für einen Erhalt des Bades“, stellte er fest. Das Bad sei eine gute Ergänzung zum Stutenseebad, keine Konkurrenz. Der aktuelle Zustand des Bades sei hausgemacht, durch jahrzehntelange Nichtpflege. „Ich finde es nicht in Ordnung, das Haushaltsdefizit gegen das Bad auszuspielen!“ Die Frage sei doch, ob die Stadt das Bad überhaupt wolle. Den Eindruck habe er nicht. Man müsse den Nutzen bewerten, nicht nur die Kosten.

Vertreterinnen des Elternbeirats der Richard-Hecht-Schule übergaben eine Sammlung von 286 Unterschriften an Bürgermeisterin Tamara Schönhaar. Beim Pendeln nach Blankenloch bleibe bei einer Doppelstunde Schwimmunterricht kaum noch Zeit übrig, bemängelten sie.

Ortschaftsrat: „Wir dürfen keine Chance auslassen“

„Ein Bad kostet Geld“, so Ortschaftsrat Klaus Mayer (Freie Wähler). Jedes Bad in Deutschland sei ein Zuschussbetrieb. Zudem sei das eine freiwillige Leistung der Stadt. „Betriebswirtschaftlich können wir uns das Bad nicht leisten“, urteilte er. Allerdings gebe es für ihn einen Mehrwert für Stutensee unabhängig vom Finanziellen. Mit einer alternativen Betriebsform gebe es vielleicht eine Chance. Er plädiere deshalb für ein halbes Jahr Aufschub für die Arbeitsgruppe.

„Die Haushaltssituation ist schwierig“, gestand auch Ortsvorsteherin Karin Vogel (Freie Wähler) ein. Sie halte eine stufenweise Sanierung über mehrere Jahre jedoch für möglich. Man müsse auch bedenken, was das sonst für den Ort bedeute. „Es wäre der Tiefpunkt meiner Tätigkeit, ein Hallenbad schließen zu müssen.“ Einem Abriss des Gebäudes werde sie in keinem Fall zustimmen, da die Grundsubstanz solide sei. „Ich will den Glauben an das ehrenamtliche Engagement nicht verlieren, wir dürfen keine Chance auslassen“, appellierte sie.

„Man darf nicht alles unter finanziellen Aspekten sehen“, meinte Marius Biebsch (CDU). Das Vereinsleben zeichne den Ort aus. Die DLRG sei ein wichtiger Verein für die Gesellschaft. Nun sollten auch Fördermöglichkeiten ausgelotet werden.

Manfred Beimel (Freie Wähler) erinnerte an den Neubau der Stafforter Mehrzweckhalle. Hier seien die Kosten von 5,2 Millionen auf über 9 Millionen Euro gestiegen. „Vielleicht haben wir die letzten zehn Jahre über unsere Verhältnisse gelebt.“ Das Vereinsleben sei in Deutschland etwas Besonderes. Auch ganz speziell in Spöck. Das Begegnungszentrum sei mit großer ehrenamtlicher Leistung saniert worden. Das halte er auch beim Bad für möglich. „Wenn es wo geht, dann in Spöck!“ Persönlich stimme er deshalb für den Erhalt des Bades mit einer mehrstufigen Sanierung. Die für den Abbruch nötigen 1,2 Millionen Euro könnten für eine grobe Sanierung verwendet werden, der Rest über zehn bis fünfzehn Jahre verteilt. Einem Abriss werde er nicht zustimmen, auch keinem Kompromiss.

Werner Bollian (FDP, Gemeinderatsmitglied aus Spöck) schloss sich dem an. Die Bevölkerung wachse zudem. Das Stutenseebad werde nicht ausreichen. Das Spöcker Bad sei eine Notwendigkeit.

Wie geht es weiter?

Nun ist der Gemeinderat am Zug. In einer Sondersitzung am 11. Dezember soll der Grundsatzbeschluss zur Zukunft des Spöcker Bades getroffen werden. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung, der sich aus internen Vorberatungen der Gremien ergeben hat, empfiehlt die Aufgabe des Standorts Spöck und mittelfristig den Rückbau des Gebäudes im Jahr. Weder der Abbruch noch andere bauliche oder planerische Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Bad sind für das kommende Jahr im Bauamt eingeplant. Sollte sich der Gemeinderat gegen eine dauerhafte Schließung entscheiden, müssten die entsprechenden Ressourcen in der Verwaltung geschaffen werden.

Bildquellen:

  • Unterschriften für Erhalt des Spöcker Bades: Marius Biebsch
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