Wie soll es mit dem Stutenseer Stadtwald weitergehen? Artensterben und Klimawandel sowie damit verbundene Trockenheit und Krankheiten sind zunehmend auch hier sichtbar. Das Forstamt des Landratsamtes, das die Stutenseer Wälder im Auftrag der Stadt betreut, hat eine Waldnaturschutzkonzeption erstellt. Die Grünen brachten eine Reihe von kleineren Änderungsanträgen ein, die im Gemeinderat jedoch keine Mehrheit fanden. Somit wurde die Konzeption des Forstamtes mit überwiegender Mehrheit beschlossen.
Lothar Himmel, Bereichsleiter des Forstamts, stellte die Konzeption in der Juni-Sitzung des Gemeinderats vor. „Wir müssen den Artenschutz ausbauen und die Diversität stärken“, meinte Thomas Hornung (CDU) und begrüßte das Konzept. Die Stadt habe noch nie einen Ertrag aus dem Wald erzielt, das sei man gewohnt. Sven Schiebel (Freie Wähler) legte Wert darauf, dass der Wald als Naherholungsgebiet weiter zur Verfügung stehe. Waldstücke, die sich selbst überlassen werden, dürften aus Verkehrssicherungsgründen nicht betreten werden. Er sehe hier deshalb einen Spagat zwischen Natur- und Umweltschutz sowie Naherholung. Das Konzept gehe in die richtige Richtung.
Änderungswünsche der Grünen
Susanne Suhr (Grüne) stellte detaillierte Nachfragen. Sie kritisierte, dass der Gemeinderat und der ehrenamtliche Naturschutz bei erforderlichen Maßnahmen im Wald nicht beteiligt würden. Bezüglich künftiger Pflanzmaßnahmen wies sie zudem darauf hin, dass die Douglasie nicht regionaltypisch sei und deshalb aus ihrer Sicht nicht nachgepflanzt werden sollte. Vielmehr sei die Eiche zu bevorzugen. Zudem kritisierte Suhr, dass Lachwald und Büchiger Hardt in dem Konzept nicht angesprochen würden. Alle verwendeten Fotos stammten aus den nördlichen Bereichen Stutensees. Darüberhinaus forderte sie, es solle künftig keine flächigen Kahlschläge mehr geben. Lothar Himmel erwiderte darauf, dass die Douglasie angesichts des veränderten Klimas sowieso schwächele und es deshalb keine Pläne zur Nachpflanzung gebe. Man wolle das aber auch nicht ausschließen. Die Waldbiotope seien bislang nur im nördlichen Bereich kartiert. Im südlichen müsse noch geprüft werden. Kahschläge führe der Forst grundsätzlich keine mehr durch. Kahle Flächen könnten jedoch durch großflächiges Absterben von Bäumen wie beim Eschentriebsterben entstehen.
Zielkonflikt zwischen Bauen und Naturschutz
„Schutz und Erholung stehen an erster Stelle“, betonte Wolfgang Sickinger (SPD). Erst dann folge die Holznutzung. Er begrüßte das Vorhaben der Stadtverwaltung, das Konzept in den Stadtentwicklungsplan-Prozess einzubringen. Dabei sei dann auch die Bevölkerung eingebunden und werde nach ihrer Meinung gefragt. Zudem skizzierte er einen Zielkonflikt: Altes Holz setze beim Verrotten wieder CO2 frei, während es bei Verwendung im Bau oder bei Möbelherstellung langfristig gebunden bleibe, was aus Klimaschutzsicht vorteilhaft wäre. Zudem sollten lange Transportwege bei der Holznutzung vermieden und lieber regionales Holz verwendet werden, statt es aus fernen Ländern zu importieren.
Ablehnung der Änderungsanträge
Oberbürgermeisterin Petra Becker lobte das Konzept des Forstamts und empfahl dem Gremium, den Antrag der Grünen abzulehnen. Selbstverständlich erfolge die Waldpflege immer in Zusammenarbeit mit der Stadt. Allerdings müsse man handlungsfähig bleiben und könne sich nicht durch Beteiligungsverfahren einschränken lassen.
Die Änderungsanträge der Grünen erhielten hauptsächlich nur die Stimmen der eigenen Fraktionen und wurden somit abgelehnt. Karl Mittag (Grüne) stellte daraufhin klar, dass er die Entwicklung der letzten Jahrzehnte für äußerst positiv halte und er trotz anderer Meinung in einigen Punkten generell sehr zufrieden sei. Das Gesamtkonzept wurde daraufhin auch bei drei Enthaltungen von Seiten der Grünen angenommen.
Bildquellen:
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