Wo ist Platz für den Ausbau der Bahnstrecke?

Podiumsdiskussion

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 03.07.2022 12:35 | 3 Kommentare

Vergangenen Mittwoch lud die Bürgerinitiative Karlsruhe-Molzau zu einer Infoveranstaltung in die Friedrichstaler Sängerhalle. Thema war der geplante Ausbau der Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Mannheim. Neue Informationen gab es zwar nicht. Dennoch war die Halle sehr gut gefüllt. Die anwesenden Vertreter:innen aus Politik und Naturschutz nahmen die Fragen und Bedenken entgegen und positionierten sich gegen Streckenverläufe, die schützenswerte Natur durchschneiden und Stadtteile trennen.

Ein Vertreter der Deutschen Bahn war bei der Veranstaltung nicht anwesend. Er wolle erst an einem späteren Zeitpunkt im Prozess an solchen Veranstaltungen teilnehmen, wird die Absage von Stefan Gedecke, Projektleiter der Bahn, zitiert.

„Es handelt sich um die Planung der Deutschen Bahn im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, nicht der Region“, stellte Matthias Proske, Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, klar. Oberbürgermeisterin Becker skizzierte den aktuellen Stand des Projekts und ihre Position dazu: Die Lösung müsse am Ende für Mensch und Natur die verträglichste sein. „Wir müssen zeigen: Wir sind ein großer Raumwiderstand!“ Wiederholt lehnte sie eine Trasse quer über Stutenseer Gemarkung ab. Gemeinsam mit ihrem Amtskollegen aus Graben-Neudorf, Christian Eheim, betonte sie, dass die Region zusammenhalten müsse. Die beste Lösung könne nur gemeinsam gefunden werden. Die Bahn müsse die volkswirtschaftlich günstigste Variante finden, dazu sei sie verpflichtet. „Diese ist jedoch nicht für Mensch und Natur am besten“, erläuterte Eheim.

Die politischen Abgeordneten auf der Bühne – aus dem Landtag Ansgar Mayr (CDU) und Christian Jung (FDP) sowie Nicolas Zippelius (CDU) aus dem Bundestag – zeigten sich solidarisch mit der Bevölkerung. „Ich schließe aus, dass am Ende eine Trasse quer über Stutenseer Gemarkung geht“, zeigte sich Jung überzeugt. Er setze sich für eine Lösung an vorhandener Infrastruktur und übergesetzlichen Lärmschutz ein. Armin Gabler, Mitglied des BUND-Landesvorstands, hingegen wollte keine Entwarnung geben. Man müsse weiter wachsam sein.

Eine Bündelung an der Autobahn A5 hätte den Vorteil, dass Lärmschutz dort besser werden könne als er heute ohne Bahntrasse ist, meinte Mayr. Er bezweifle auch, dass die A5 tatsächlich achtspurig ausgebaut werde, wie aktuell im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Unabhängig von der neuen Trasse müsse der Lärmschutz auch an der Bestandsstrecke besser werden, forderte Oberbürgermeisterin Petra Becker und erhielt dafür Beifall aus dem Publikum.

Im Herbst werde es die nächsten konkreten Entscheidungen der Bahn geben, die Antragsvariante soll im kommenden Jahr feststehen. Dabei müsse es sich jedoch nicht um die Variante handeln, die am Ende durch den Bundestag beschlossen werde.

Adalbert Scherer übergab als Vertreter der Bürgerinitiative 1.500 allein in Staffort gesammelte Unterschriften an den Bundestagsabgeordneten Zippelius und Regionalverbandsdirektor Proske, um den Forderungen aus der Bevölkerung Nachdruck zu verleihen.

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