„Forum Wohnen heute“ zum Thema Klimaschutz
„Das CO2-Budget im Landkreis Karlsruhe reicht bis 2027/28, wenn wir so weitermachen wie bisher“, sagt Birgit Schwegle, Geschäftsführerin der Umwelt- und Energieagentur (UEA) des Landkreises. Was muss in der Region passieren, welche Möglichkeiten gibt es, um CO2-Neutralität im Landkreis zu erreichen? Vergangenen Dienstag hielt Schwegle einen Vortrag in der Reihe „Forum Wohnen heute“ von Seeger Wohnkonzepte und Volksbank Bruchsal-Bretten.
Rund 60 Zuschauerinnen und Zuschauern waren in die Sporthalle der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee gekommen, um den Ausführungen von Birgit Schwegle zu lauschen. Die Geschäfsführerin der UEA leitete ihren Vortrag mit einem Video von Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ein. Der Wissenschaftler führte darin aus, dass der Klimawandel zwar phsyikalisch und technologisch noch aufzuhalten sei, politisch jedoch wohl nicht.
Die Situation: „Klimaneutralität 2050 reicht nicht mehr“
Schwegle schloss an diese These an: 2014 hatte der Kreistag ein erstes Klimaschutzkonzept erstellt, mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050. „Das reicht nicht mehr!“ Zwar seien in der Zwischenzeit viele Projekte umgesetzt worden, das sei aber immer noch zu wenig. Pro Kopf würden bei uns 7,7 Tonnen Kohlendioxid im Jahr produziert. Um etwas nachhaltig für den Klimaschutz zu ändern, „müssten wir aber unter eine Tonne kommen.“ Die wesentlichen Handlungsfelder seien Strom und Mobilität, aber insbesondere Wärme.
14 Jahre blieben uns noch, um unseren CO2-Ausstoß abzusenken. „Das ist sportlich, aber machbar“, motiviert Schwegle. Häuser zu sanieren, sei zwar sinnvoll, allerdings viel zu teuer und langsam. Als Potenziale sehe sie Energie sparen, Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Bindung von CO2, beispielsweise mit Terra Preta, einer Mischung aus Holz- und Pflanzenkohle.
Was kann der Landkreis tun?
Schwegle erläuterte, was die Kommunen im Landkreis beitragen können, aber auch was jeder einzelne leisten könne: An erneuerbaren Energien gebe es im Landkreis ein Potenzial der Überdeckung. Aus Abwasser könne Wärme gewonnen werden, Geothermie müsse stärker genutzt werden, insbesondere Tiefengeothermie: „Das ist sehr wichtig, sonst schaffen wir keine Energiewende.“ Auch auf Windkraft könne man im Landkreis nicht verzichten. Schwegle schlägt Anlagen vor, an denen sich Bürger beteiligen können. Das könne deren Akzeptanz in der Bevölkerung steigern. Zudem müsse auf jedes Dach eine Photovoltaik-Anlage. „Die Kommunen müssen dabei vorangehen“, forderte sie. In Stutensee sei das Potenzial auf den Dächern erst zu 14 Prozent genutzt.
Finanzielle Anreize für Immobilienbesitzer
Letztlich sei klar: „Die Energiewende vor Ort ist nur mit den Bürgern zu schaffen.“ Kommunen könnten das alleine schon finanziell nicht bewältigen. In Stutensee müsse etwa eine Bürgerenergiegenossenschaft auf den Weg gebracht werden wie beispielsweise im Kraichgau. Die Infrastruktur gehöre in Bürgerhand.
Anhand konkreter Zahlen zeigte Schwegle wie die CO2-Bepreisung beispielsweise das Heizen verteure und welche Sanierungsmaßnahmen wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll seien, aber auch welche Förderungen, Boni und Steuervergünstigungen es von staatlicher Seite gebe.
Ihr Appell an Häusebauer und Immobilienbesitzer: „Lassen Sie sich beraten!“ Die Umwelt- und Energieagentur sei mit ihrem Beratungsmobil unterwegs und biete kostenfreie und anbieterneutrale energetische Gebäudeberatung.
Der Vortrag „Energiewende in der Region“ war coronabedingt der erste in der Reihe „Forum Wohnen heute“ seit anderthalb Jahren. Die nächste Veranstaltung soll im März 2022 stattfinden.
Bildquellen:
- Forum Wohnen 2021: Jürgen Gareiss/Volksbank Bruchsal-Bretten
- Forum Wohnen heute 2021: Martin Strohal
- Birgit Schwegle: Martin Strohal
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