Trockenheit und Schädlinge machen Wald zu schaffen

Gefällte Bäume im Hardtwald

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 16.05.2021 21:53 | 4 Kommentare

Nach Jahren mit Hitze im Sommer und monatelanger Trockenheit ist es um den Wald auch rings um Stutensee nicht gut bestellt. Die Fachleute von ForstBW und dem Landratsamt arbeiten an einem Waldumbau, um ihn für die Zukunft zu rüsten.

Wer in den letzten Wochen im Hardtwald auf Stutenseer Höhe unterwegs war, könnte an den Wegesrändern viele gestapelte Baumstämme liegen sehen. Auf Nachfrage erläuterte Christoph Weihrauch von ForstBW – der Hardtwald gehört dem Land – die Gründe: Viele Altkiefern seien Opfer der Dürre der letzten Jahre geworden. Dazu sei ein aggressiver Pilz gekommen. Auch Buchen seien durch die Dürre stark geschwächt und könnten sich gegen eine Vielzahl von Schadinsekten wie den Buchenspringrüssler oder auch den Kleinen Buchenborkenkäfer nicht mehr zur Wehr setzen. Etwa 700 Festmeter Holz seien deshalb unplanmäßig – der Fachmann spricht von „Zufallsnutzung“ – aus dem Wald geholt worden.

Eine weitere Maßnahme – diesmal eine planmäßige – wurde nördlich des Schlackenwegs unweit der Gillardon-Hütte durchgeführt. „Hier stand eine klassische Durchforstung im jungen Kiefernbestand an“, so Weihrauch. Dabei seien etwa 1000 Festmeter Holz genutzt worden. Ziel sei es, möglichst große Kronen ausformen zu lassen, weil dann ein Baum widerstandsfähiger sei.

Der vorbeugende Waldumbau werde seit den Achtzigerjahren praktiziert. Zur Risikostreuung wird nun bei ForstBW auf eine Vielzahl von Baumarten gesetzt. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Eiche, die bislang mit dem veränderten Klima am besten zurecht komme. Dazu kommen auch Hainbuche, Spitzahorn, Elsbeere und Vogelkirsche. Auch fremdländische Exemplare wie die Rot-Eiche, die Libanon-Zeder oder die Atlas-Zeder werden getestet. Im Hardtwald gibt es dazu Versuchsanbauten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA). In erster Linie werde auf Naturverjüngung gesetzt.

Auch um die gemeindeeigenen Wälder östlich von Stutensee, um die sich das Forstamt des Landratsamts im Auftrag der Stadt kümmert, steht es nicht gut. „Trockenheit, Stürme und Schädlinge machen den heimischen Wäldern und der Forstverwaltung weiterhin massiv zu schaffen“, berichtete Forstamtsleiter Martin Moosmayer dem Kreistag. Beim Waldumbau setzt die Forstverwaltung neben der Eiche verstärkt auf Baumarten wie Douglasie, Elsbeere, Spitzahorn, Kirsche, Nüsse oder Speierling, die mit Wärme und Trockenheit infolge des Klimawandels besser klarkommen.

Während es dem Wald schlechter gehe, habe die Bevölkerung den Wald zur Erholung so stark genutzt wie noch nie, so Moosmayer. Daneben haben notwendige Verkehrssicherungsmaßnahmen im Wald ebenfalls ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht. Dies führe häufig zu Konflikten, da vielerorts das Verständnis für Gefahren im Wald, sensible Waldbereiche oder Hiebs- und Sperrungsmaßnahmen außerordentlich gering sei.

Der besorgniserregende Waldzustand habe zudem auch einen wirtschaftlichen Aspekt: Aufgrund der niedrigen Erlöse für Schadholz, der weiterhin angespannten Situation auf den Holzmärkten und die hohen Investitionen in die Waldkulturen mit Maßnahmen zur Naturverjüngung und zum Schutz vor Rehwildverbiss würden inzwischen alle Waldhaushalte der Städte und Gemeinden rote Zahlen schreiben. Fördermittel des Bundes und des Landes Baden-Württemberg federten die finanziellen Einbußen nur teilweise ab.

Bildquellen:

  • Wald Baumstämme: Martin Strohal
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