In unserer Reihe “Aus der Lokalpolitik” schreibt heute Klaus Mayer, Fraktionsvorsitzende der Fraktion der Freien Wähler im Stutenseer Gemeinderat. Es handelt sich hierbei um die subjektive Darstellung der Fraktion.
Die Technologieregion Karlsruhe ist ein Zuzugsgebiet, das bedeutet: Während anderenorts die Bevölkerung zurück geht (Stichwort demographischer Wandel: „wir werden immer weniger und immer älter“), haben wir das umgekehrte Phänomen, wir werden stetig mehr. Das liegt unter anderen daran, dass es in der Region ein großes Angebot an attraktiven Arbeitsplätzen in zukunftsorientierten Branchen gibt. Der Preisanstieg der letzten Jahre auf dem Wohnungsmarkt hat deutlich gemacht: Die Nachfrage ist hoch und das Angebot knapp. Es werden also neue Wohnungen gebraucht. In der Konsequenz bedeutet dies für die Kommunen, dass sie Flächen für den Wohnungsbau bereitstellen und darüber hinaus auch die entsprechende Infrastruktur schaffen müssen.
Flächen für den Wohnungsbau können und dürfen nicht nur im Außenbereich geschaffen werden, denn diese stellen eine wichtige und unersetzliche Ressource dar und sollten daher mit Bedacht eingesetzt werden. Wir werden unser Augenmerk künftig verstärkt auf die Entwicklung der Innenflächen richten müssen. Dies war seit vielen Jahren eine, u.a. in den Haushaltsreden, immer wieder vorgetragene Forderung der Freien Wähler. Um den Herausforderungen einer besseren Nutzung unser Flächen (zu wohnbaulichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder Naturschutzzwecken) nachhaltig gerecht werden zu können, hat der Gemeinderat beschlossen die Stelle eines Flächenmanagers zu schaffen. Damit wird es nun möglich, konkrete Lösungsvorschläge für definierte Bereiche zu erarbeiten. Die Bebauung unserer Stadtteile hat noch weitgehend gewachsene, dörfliche Strukturen mit großen Grundstücken, Ökonomiegebäuden (Scheunen und Schuppen) und großen Gärten. Hier bieten sich Chancen innerörtliche Grundstücke aufzuwerten und Wohnraum zu schaffen, ohne wertvolle Außenflächen opfern zu müssen. Allerdings, gibt es auch große Herausforderungen:
- die Flächen sind alle in Privateigentum und ein Umnutzung kann nur unter Beteiligung und mit Einverständnis der Bürgerinnen und Bürger gelingen;
- die Verdichtung kann nur so maßvoll entstehen, dass ein langfristiges, sozialverträgliches Miteinander gewährleistet ist;
- die „grüne Lunge“ unserer Stadtteile – wichtig für das Kleinklima – muss gewahrt bleiben und wertvolle Grüngerüste müssen erhalten blieben;
- auch die heimischen Gärten sind enorm wichtige Lebensräume für Insekten, Reptilien und Vögel
- Erschließung und ausreichend, tatsächlich nutzbare PkW Stellplätze auf Privatflächen müssen gesichert sein, unsere ohnehin schon überbordend zugeparkten Gehwege müssen vom ruhenden Verkehr befreit werden
Diesen Balanceakt, neue Nutzungen zu ermöglichen, den ortstypischen Charakter zu erhalten und den o.g. Herausforderungen zu begegnen, können wir nur schaffen, wenn alle – Verwaltung (insbesondere der Flächenmanager), Gemeinderat, Ortschafträte (insbesondere die OrtsvorsteherInnen) und Bürgerinnen und Bürger – konstruktiv zusammenarbeiten. Deshalb ist es sinnvoll dieses Thema in den Bürgerbeteiligungen zur Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans explizit mit aufzunehmen.
Bildquellen:
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