„Nerven wie breite Nudeln“

Frank Burkard mit Partnerin Kirsten Nießner

Von Martin Strohal | 10.10.2026 20:44 | 2 Kommentare

Am vergangenen Freitagabend ist Frank Burkard als neuer Oberbürgermeister der Stadt Stutensee vereidigt worden. Zahlreiche Rednerinnen und Redner aus Politik, Kirche und Gesellschaft gratulierten zur Amtseinführung und formulierten zugleich ihre Erwartungen. Als symbolische Geste überreichte jeder Gast ein Puzzleteil. Alle Teile zusammengefügt ergaben das Wimmelbild des Stadtentwicklungsplans.

Die offizielle Zeremonie fand im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung in der Festhalle statt. Stadtrat Wolfgang Sickinger, ältestes Mitglied des Gremiums, verlas die Eidesformel und hängte Burkard die Oberbürgermeisterkette um – jene Kette, die Petra Becker an gleicher Stelle zwei Wochen zuvor abgelegt hatte. In ihrer Begrüßung verwies die Erste Beigeordnete Tamara Schönhaar auf den Stadtentwicklungsplan, der dem neuen Rathauschef Orientierung und Rahmen bieten solle.

Appell an die Bürgergesellschaft und klare Worte zur Finanzlage

Regierungspräsident Alexander Föhr überbrachte die Glückwünsche des Landes Baden-Württemberg sowie des Regierungspräsidiums. Er erinnerte daran, dass die Bürgerinnen und Bürger vor allem am Funktionieren von Straßen, Kitas und Schulen bemerkten, ob der Staat handlungsfähig sei. Ein Oberbürgermeister müsse daher die gesamte Themenpalette im Blick behalten – „Überblick und Detailkenntnis zugleich“. Außerdem stellte Föhr klar, dass eine Stadtverwaltung keine „Vollkasko-Dienstleistungsagentur“ sei. Eine Kommune lebe vom Engagement ihrer Bürger: „Begreifen Sie sich als aktive Mitgestalter“, rief er die Bevölkerung auf.

Landrat Christoph Schnaudigel lenkte den Blick auf die schwierige finanzielle Situation der Kommunen. Die aktuellen Probleme seien nicht hausgemacht, weshalb sich Städte und Gemeinden auch nicht aus eigener Kraft daraus befreien könnten. Reine Kürzungen lösten das strukturelle Problem nicht: „Wir können nicht so viel sparen, wie andere unser Geld ausgeben!“, betonte Schnaudigel.

Rückblick auf den Wahlkampf und Aufruf zum Miteinander

Wie auch Östringens Bürgermeister Felix Geider blickte Schnaudigel auf den intensiv geführten Wahlkampf zurück. Die Konkurrenz sei stark gewesen, der Diskurs ernsthaft. Pfarrer Jörg Seiter brachte es treffend auf den Punkt: „Das war ein Fest für die Demokratie. Drei tolle Kandidaten – drei Menschen, die es wert sind, dass man sie wählt.“

Geider unterstrich, dass Burkard nun der Oberbürgermeister aller Stutenseer sei – derer, die ihn gewählt haben, derer, die gegen ihn stimmten, und auch derer, die gar nicht wählen gingen. Der Wahlkampf sei nun vorbei, jetzt müsse gemeinsam angepackt werden. Diesen Gedanken vertiefte Brettens Oberbürgermeister Nico Morast und bat um Geduld: „Veränderungen brauchen Zeit.“

Stimmen aus den Stadtteilen und Vereinen

Für die Stutenseer Stadtteile mit ihren individuellen Traditionen und Herausforderungen sprach Marcel Konrad, Ortsvorsteher von Friedrichstal. Er bot eine enge Zusammenarbeit an und warb für einen offenen Austausch auf Augenhöhe: „Wir arbeiten alle für dieselbe Stadt.“

Michael Nowack, Vorsitzender des TV Friedrichstal, adressierte die Nöte der örtlichen Vereine. Egal ob Sport, Musik oder Brauchtum – die Hürden seien oft dieselben. Er appellierte an die Verwaltung, die Ehrenamtlichen pragmatisch zu unterstützen, statt sie mit Bürokratie zu belasten: „Jeder Verein gehört zum Gesamtbild der Stadt.“

Burkards Ausblick: Priorität für Kinder, Vereine und Handlungsfähigkeit

In seinem Beitrag gab Frank Burkard einen ersten Ausblick auf seine Agenda. Ganz oben auf seiner Prioritätenliste stünden die Kinder- und Seniorenarbeit sowie die Überarbeitung der Vereinsförderrichtlinien. Zudem gelte es, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt zu sichern, das Thema Stadtwerke voranzutreiben und interkommunale Lösungen – etwa bei Wärmetrassen – zu suchen. Auch der direkte Draht zur Wirtschaft und Bürgerschaft sei ihm wichtig.

Um transparent über die Fortschritte zu informieren, kündigte Burkard an, einmal jährlich – etwa im Rahmen eines Neujahrsempfangs – einen Rechenschaftsbericht abzulegen. Dies wolle er zeitnah mit dem Gemeinderat abstimmen.

Ihm sei klar, dass die Kommunalpolitik „das wahre Leben“ sei. Da brauche man durchaus manchmal „Nerven wie breite Nudeln“. Er wolle aber sein Bestes geben, um den Wünschen und Hoffnungen gerecht zu werden. Er sehe sich in der Rolle des Kümmerers und Beschleunigers. Dabei wolle er mit Optimismus in die Zukunft gehen. „Bei der Arbeit darf gelacht werden!“

Zum Abschluss rief er alle Rednerinnen und Redner des Abends dazu auf, mit ihm gemeinsam das Puzzle zu lösen – „ihr habt es mir eingebrockt!“.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Schulchor der Friedrich-Magnus-Grundschule Friedrichstal, einem Streicherensemble der Muikschule Hardt sowie dem Musikverein Harmonie Blankenloch.

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