Über 100 Bürgerinnen und Bürger aus Stutensee und den umliegenden Städten und Gemeinden besuchten am 21. September den Vortrag von Prof. Peter R. Neumann im Begegnungszentrum Regenbogen in Spöck. Der Professor für Sicherheitsstudien am Londoner King’s College sprach über die veränderte internationale Ordnung und die Herausforderungen für Europa.
Neumann war für den Vortrag aus London angereist. Als Experte für Sicherheits- und Terrorismusfragen berät er nach eigenen Angaben unter anderem Politik und Wirtschaft. In seinem Vortrag mit dem Titel „Die neue Welt(un)ordnung“ erklärte er, warum Europa international an Einfluss verliert und welche Aufgaben daraus für Deutschland und die Europäische Union entstehen.
„Europa ist kleiner geworden, nicht weil wir weniger geworden sind, sondern weil die anderen mehr geworden sind“, sagte Neumann. Damit verwies er auf die Bevölkerungsentwicklung in der Welt. Während die Bevölkerung in Europa altert und kaum noch wächst, nimmt sie vor allem in Afrika und Asien deutlich zu.
Drei Herausforderungen für Deutschland
Neumann sieht Deutschland vor allem mit drei Herausforderungen konfrontiert: Technologie, Demografie und Außenpolitik.
Bei der Technologie sieht Neumann eine weitere Herausforderung darin, dass sich die technologischen Bereiche verändern, die künftig eine entscheidende Rolle spielen werden. Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Robotik und Raumfahrt würden dabei besonders wichtig. „In keinem dieser Bereiche ist Europa aktuell Spitzenreiter“, sagte Neumann.
Als zweite Herausforderung nannte er die demografische Entwicklung. Die Gesellschaften würden älter, während gleichzeitig Arbeitskräfte fehlten. Neumann sprach sich deshalb für eine gesteuerte Migration aus, die zur Stabilität der Sozialsysteme beitragen könne. Zugleich kritisierte er, dass es in der öffentlichen Debatte schwierig geworden sei, die positiven Seiten von Migration anzusprechen.
Die dritte Aufgabe bestehe darin, neue internationale Partnerschaften aufzubauen. Man habe sich in der Vergangenheit zu stark auf die USA und China verlassen und seine Beziehungen zu anderen Staaten zu wenig ausgebaut. Als mögliche Partner nannte Neumann unter anderem Indien und Indonesien.
„Wir müssen heute aktiver sein in der Außenpolitik“, forderte er. Zum Abschluss fasste er seine Position zusammen: „Wir müssen den Westen neu denken, öffnen, neue Allianzen kultivieren und ihnen die Tür öffnen.“
Auswirkungen auf den Alltag
Neumann betonte, dass internationale Konflikte auch für die Menschen in Deutschland direkte Folgen hätten. Als Beispiel nannte er die steigenden Preise an den Tankstellen nach dem erneuten Aufflammen des Konflikts im Iran.
Darüber hinaus sprach er über den Krieg in der Ukraine, die Spannungen zwischen China und Taiwan sowie die aus seiner Sicht abnehmende Verlässlichkeit der USA als Partner.
Fragen zu China, Russland und künstlicher Intelligenz
An den Vortrag schloss sich eine Diskussion mit dem Publikum an. Die Fragen drehten sich unter anderem um den Umgang mit China, Indien und Russland sowie um die Lage im Nahen Osten.
Auf die Frage, ob Deutschland gegenüber Russland und China selbstbewusster auftreten müsse, antwortete Neumann mit einem Lächeln: „Wir müssen erst mal in die Lage kommen.“
Auch die Risiken künstlicher Intelligenz kamen zur Sprache. Neumann verwies unter anderem auf mögliche Anwendungen beim Bau von Bomben und auf die Gefahr, dass KI zur Radikalisierung von Menschen genutzt werden könne. Mit Blick auf die notwendigen Veränderungen in Deutschland und die aus seiner Sicht zu zögerliche Umsetzung von Reformen sagte er: „Wir brauchen keine Reförmchen.“
Das Interesse an der Veranstaltung zeigte sich auch nach deren Ende: Viele Besucherinnen und Besucher warteten noch, um persönlich mit dem Referenten zu sprechen.
Bildquellen:
- Peter R. Neumann: Jochen Pfeiffer
- Peter R. Neumann: Jochen Pfeiffer
- Peter R. Neumann: Jochen Pfeiffer
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