Der Gemeinderat hat am 27. April den Anteil nutzungsfreier Waldgebiete im Stadtwald auf 25 Prozent festgelegt – fünfmal mehr als bisher. Der Beschluss basiert auf einem Antrag der Grünen-Fraktion und folgt den Ergebnissen einer Online-Bürgerbeteiligung, bei der sich eine Mehrheit für extensive Waldbewirtschaftung aussprach. Die geforderte Begrenzung des Holzeinschlags fand jedoch keine Mehrheit. Die endgültige Forsteinrichtungsplanung soll Anfang 2027 beschlossen werden. Eine geplante Bürgerbeteiligung konnte bislang nicht durchgeführt werden.
Der Stutenseer Gemeinderat hat am 27. April 2026 wichtige Weichen für die Zukunft des Stadtwaldes gestellt. In einer kontroversen Sitzung beschlossen die Räte, dass die Fläche nutzungsfreier Waldgebiete – sogenannte Waldrefugien – in den kommenden zehn Jahren schrittweise auf 25 Prozent der Stadtwaldfläche ausgeweitet werden soll. Der Beschluss geht auf einen Antrag der Grünen-Fraktion zurück, wurde jedoch nur in Teilen umgesetzt.
Bislang kein Workshop mit Öffentlichkeitsbeteiligung
Die Erarbeitung eines Waldleitbilds für Stutensee ist als Schlüsselprojekt im Stadtentwicklungsplan 2035 (STEP 2035) verankert. Die Eigentümerziele bilden die Grundlage für die Forsteinrichtungsplanung, die zum Stichtag 1. Januar 2027 für die kommenden zehn Jahre fortgeschrieben wird. Der ursprünglich geplante Prozess musste aufgrund personeller Engpässe – darunter Vakanzen in der Amtsleitung und längere Ausfälle im zuständigen Sachgebiet – angepasst werden. Eine für Oktober/November 2025 geplante Präsenzveranstaltung zur Bürgerbeteiligung konnte bislang nicht durchgeführt werden. Das Format war aus Kostengründen bereits reduziert worden.
Das Waldleitbild soll nun von der Erstellung der Forstreinrichtung entkoppelt werden.
Online-Umfrage zeigt klare Präferenzen
Mitte 2025 hatte die Stadt eine Online-Befragung durchgeführt, die von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ausgewertet wurde. An der Umfrage beteiligten sich 233 Personen. Die Ergebnisse zeigten eine erhöhte Unterstützung für eine naturnahe und extensive Bewirtschaftung des städtischen Waldes. So sprachen sich 31,8 Prozent der Teilnehmenden dafür aus, entstandene Kahlflächen sich selbst zu überlassen und keine Eingriffe vorzunehmen. Bei der offenen Schlussfrage nach Wünschen an die Stadtverwaltung gab es 126 Nennungen nach einer extensiven Bewirtschaftung. Die genauen Ergebnisse der Umfrage sind bislang nicht öffentlich einsehbar.
Antrag der Grünen: Zwei Kernforderungen
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte unter dem Fraktionsvorsitzendem Frank Hornung zwei konkrete Zielsetzungen beantragt. Erstens sollte die Fläche nutzungsfreier Waldrefugien von derzeit 5 Prozent sukzessive auf 25 Prozent der Stadtwaldfläche ausgeweitet werden. Zweitens forderten die Grünen eine Begrenzung des durchschnittlichen jährlichen Hiebsatzes auf maximal 350 Festmeter, maximal 3.500 Festmeter in zehn Jahren. Die Begründung verwies auf den aktuell geringen Holzvorrat im Stadtwald Stutensee von nur 231 Festmeter pro Hektar – deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 365 Festmeter pro Hektar.
Vertreter der Forstverwaltung beurteilten die Vergrößerung der Waldrefugien kritisch. Dort könne keine aktive Klimawandelanpassung erfolgen. Auch Neophythen könnten sich ungehindert ausbreiten, so Revierleiter Hannes Bläsius vom Forstamt. Zehn Prozent halte er für fachlich sinnvoll.
Auch die Begrenzung des Hiebsatzes lehnte das Forstamt ab. Es würde notwendige Flexibilität nehmen.
Beschluss: Waldrefugien ja, Hiebsatz nein
Der Gemeinderat nahm in seiner Sitzung zunächst den Sachstand und die geänderten Rahmenbedingungen sowie die Ergebnisse der Onlinebeteiligung zur Kenntnis.
Dem Antrag der Grünen zur Ausweitung der Waldrefugien stimmten 13 Ratsmitglieder zu, acht waren dagegen, drei enthielten sich. Der Antrag wurde damit angenommen. Der zweite Punkt zur Reduzierung des Hiebsatzes erhielt hingegen zwölf Nein- und nur zehn Ja-Stimmen und wurde damit bei zwei Enthaltungen abgelehnt.
Eigentümerzielssetzung: Schutz vor Nutzung
Die von Verwaltung und Forst erarbeitete Eigentümerzielssetzung definiert eine Zielhierarchie: Schutz (Ökologie) steht vor Erholung (Soziales) und Nutzung (Ökonomie). Der 236 Hektar große Stadtwald – das sind 12 Prozent der Waldfläche in Stutensee – liegt im Verdichtungsraum des nördlichen Landkreises Karlsruhe und ist ein bedeutender Naherholungsraum. Die Bewirtschaftung erfolgt nach PEFC-Standards und orientiert sich am naturnahen Waldbau. Zentrale Schwerpunkte sind die Anpassung an den Klimawandel, der Waldumbau zu klimastabilen Mischbeständen sowie die Rückhaltung von Wasser im Wald.
Weiteres Vorgehen: Bürgerbeteiligung geplant
Nach dem Gemeinderatsbeschluss beauftragte das Gremium die Verwaltung, die Eigentümerzielsetzung im Anschluss an die noch ausstehende Öffentlichkeitsbeteiligung zu überprüfen und gegebenenfalls fortzuschreiben. Die Verwaltung plant, die Beteiligung der Öffentlichkeit noch 2026 durchzuführen. Dabei sollen Themen wie die Verortung von Erholungseinrichtungen, waldpädagogische Angebote und Formate der Öffentlichkeitsbeteiligung ergebnisoffen diskutiert werden. Die Forsteinrichtungsplanung soll Anfang 2027 abschließend beraten und beschlossen werden.
Bildquellen:
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