„Was feiern wir eigentlich?“ fragte sich die scheidende Oberbürgermeisterin Petra Becker bei ihrer offiziellen Verabschiedung vergangenen Freitag in der Blankenlocher Festhalle. „Wir feiern nicht das Gehen, sondern die gemeinsame Zeit“, habe ihr die künstliche Intelligenz im Rahmen der Vorbereitung des Abends geantwortet. Das sei ein wichtiges soziales Ritual des Übergangs, um Emotionen abzufedern.
So wurde in der Festhalle ausführlich gefeiert und Beckers zu Ende gehende Amtszeit von allen Seiten wohlwollend gewürdigt. Bürgermeisterin Tamara Schönhaar führte durch den Abend und beschrieb aus eigener Erfahrung die Herausforderungen an der Rathausspitze: die Einsamkeit von Führungskräften und das Anerkennungsdefizit. Das Rat- und Hilfesuchen werde diesem Personenkreis als Schwäche ausgelegt. Becker habe im Rathaus die kollegiale Verantwortung etabliert und ein Coaching für Führungskräfte eingeführt.
„Jeder will gesehen werden und braucht positive Rückmeldungen“, so Schönhaar. „Auch Oberbürgermeister“. Stattdessen gebe es raue Kommentare in sozialen Medien, die Bauschmerzen auslösten.
Regierungspräsident Alexander Föhr dankte Becker für ihren Dienst am Gemeinwesen. Knut Bühler, Erster Landesbeamter des Landkreises Karlsruhe, hob ihr Augenmerk auf soziale Fragen sowie die enge Verbindung zur Jugendeinrichtung des Landkreises hervor. Auch Landtagsabgeordneter Ansgar Mayr und der Östringer Bürgermeister Felix Geider, der den Gemeindetag vertrat, lobten die verlässliche Zusammenarbeit. Geider betonte, dass Beckers frühzeitige Kommunikation ihres Verzichts auf eine erneute Kandidatur größten Respekt verdiene.
Für den Stutenseer Gemeinderat blickte Klaus Mayer auf 88 Sitzungen zurück. Das Gremium sei diskussionsfreudig und Entscheidungen – wie die emotional geführte Debatte um die Schließung des Spöcker Hallenbades – seien „gewiss nicht vergnügungssteuerpflichtig“ gewesen. Becker habe dennoch nie die Contenance verloren, auch wenn man ihr manchmal angesehen habe, wie es in ihr gebrodelt habe. Personalratsvorsitzender Michael Siegel bestätigte, dass es zwar nicht durchgehend Harmonie gegeben habe, aber stets ein respektvoller Umgang herrschte. Zoltán Balogh, Bürgermeister der Partnerstadt Tolna, würdigte zudem das Wiederaufleben des Schüleraustauschs mit der Realschule.
„Ich bin nur für die Menschen meiner Heimat angetreten“, verabschiedete sich die in Friedrichstal aufgewachsene Oberbürgermeisterin. Nach acht Jahren im Amt, rund 44.000 Unterschriften und über 900 Reden ziehe sie eine positive Bilanz: Auch wenn manche Dinge länger gedauert hätten als geplant, sei die Stadt „gut aufgestellt für das, was kommt“. Becker kündigte an, Stutensee weiterhin verbunden zu bleiben.
Für den feierlichen Rahmen sorgten das Saxophonensemble der Musikschule Hardt, die Tanzgruppe „Fast Forward“ der Lions Karlsruhe sowie Integrationsbeauftragte Christiane Seidl-Behrend, die mit ihren Interpretationen von „Für dich soll’s rote Rosen regnen“ und „My Way“ berührte. Zum symbolischen Abschluss legte Petra Becker ihre Amtskette ab. Diese wird ab Oktober ihr Nachfolger Frank Burkard übernehmen, dessen offizielle Einführung am 9. Oktober stattfindet.
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