„Wie positionieren wir uns?“ fragte Oberbürgermeisterin Petra Becker auf der Brücke zwischen Friedrichstal und Spöck. Thema war der Neubau einer zweigleisigen Bahntrasse zwischen Karlsruhe und Mannheim. Die anwesenden Vertreter aus Kommunalpolitik, Naturschutz und Bürgerinitiative waren sich einig, dass Stutensee nicht durch eine weitere Bahntrasse zerschnitten werden dürfe.
Etwa zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich am Mittwoch auf Einladung der Stadtverwaltung eingefunden, um ihre Sichtweisen auf das große Infrastrukturprojekt der Deutschen Bahn auszutauschen. Von der Brücke hinter dem Friedrichstaler Pfadfinderheim in Richtung Spöck hatten alle einen guten Blick auf die Flächen, auf denen irgendwann einmal Schienen für den Güterverkehr liegen könnten, von der Bestandsstrecke kommend, an Spöck vorbei, bis nach Staffort, dort zwischen Ort und Baggersee hindurch bis zur Autobahn A5.
„Wir können uns das hier nicht vorstellen“, betonte Oberbürgermeisterin Becker. Das unterstrich auch Karl Mittag als Vertreter des ehrenamtlichen Naturschutzes. Er verwies auf die Stellungnahme, die er mit seinen Mitstreitern verfasst und an die Bahn geschickt hatte, in der eine ganze Reihe an bedrohten Tierarten aufgelistet sind.
Gerd Hager, Direktor des Regionalverbands, war ebenfalls vor Ort und begrüßte dieses Vorgehen. „Die entscheidenden Weichen werden jetzt gestellt“, betonte er. Aktuell seien 60 bis 70 Trassenvarianten im Gespräch für die Verbindung zwischen Mannheim und Karlsruhe. Anfang 2022 würden diese jedoch auf sechs bis sieben reduziert werden, Anfang 2023 solle die Entscheidung für eine Variante fallen. Da würden gute Argumente gebraucht. „Wir müssen die Menschen, die hier leben, in den Vordergrundstellen, genauso wie die Belange des Natur- und Umweltschutzes.“ Auf dem Reißbrett würde das so einfach aussehen.
Die Menschen vor Ort lagen auch Adalbert Scherer am Herzen. Der Stafforter ist seit kurzem einer der Ansprechpartner für die Bürgerinitiative „Karlsruhe – Molzau“. Er vermisse die Betrachtung der Gesamtbelastung des Lärms. Die Bahn kümmere sich nur um den Bahnlärm. In Staffort jedoch sei auch der Lärm der Autobahn zu hören, die zudem noch verbreitert werden soll.
Die anwesenden Ortsvorsteher:innen Lutz Schönthal, Karin Vogel und Melitta Bernauer lehnten einmütig einen Streckenverlauf zwischen den Stutenseer Stadtteilen ab. Einig waren sich alle Anwesenden auch, dass man gemeinsam mit einer Stimme sprechen müsse, in allen Stadtteilen, aber auch mit den anderen betroffenen Kommunen in der Region. Nur so finde man in Berlin Gehör, sowohl bei der Bahn als auch am Ende beim Bundestag, der den Baubeschluss treffen muss.
Am 31. Januar finde die nächste Runde im Beteiligungsprozess mit der Bahn statt, berichtete Becker. Direkt am Tag darauf, dem 1. Februar 2022, wolle die Stadtverwaltung eine digitale Informationsveranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger in Stutensee durchführen, um über den aktuellen Stand der Planung zu berichten.
Bildquellen:
- Ausbau Güterverkehrstrasse Karlsruhe - Mannheim: Martin Strohal
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