Auf den Spuren der Dorfbach in Blankenloch
Wer heute die Blankenlocher Hauptstraße entlanggeht wird kaum ahnen, dass sich hier vor etwa 60 Jahren noch ein kleines Fließgewässer befunden hat. Wo das Dorfbächlein ursprünglich verlief, aus welchen Wassern es gespeist wurde und was es mit „echten Blankenlochern“ zu tun hat, das erfuhren interessierte Stutenseer:innen bei einer Führung des Heimat- und Museumsvereins Blankenloch am vergangenen Wochenende. Walter Scheidle begleitete die Gruppe fachkundig und kurzweilg durchs Gelände. Kaum jemand kennt die Materie so gut, wie der ehemalige Gewässerwart von Stutensee.
Die Dorfbach gehörte über Jahrhunderte zum Leben der Menschen in Blankenloch einfach dazu. Sie erhielt ihr Wasser aus der Pfinz und so führte Walter Scheidle die kleine Schar Interessierter auch zunächst hinter das Schulzentrum zu ihrem heutigen Bett. Ursprünglich war das Gelände östlich der Hardtplatte von den Sümpfen und Auwäldern der sich ständig ändernden Wasserläufe geprägt. Auf dem Weg über den Damm zum Einlasswehr in den Hinteren Wiesen erfuhren die Gäste so einiges über die Geschichte der Pfinz, der Fischteiche und der Alten Bach. Auch „Alte Pfinz“ genannt wurde der Ursprung der Alten Bach im 17. Jahrhundert als Graben zur Entwässerung der Sümpfe zwischen Schloss Gottesaue und Hagsfeld neu kanalisiert.
In der Rheinebene war Wasser seit Jahrhunderten das große Thema. Unsere Vorfahren mussten die gewaltigen Fließmengen kontrollieren, wollten sie das Gelände ur- und besiedelbar machen. Auch in und um Blankenloch und den anderen Stutenseer Stadtteilen. Dabei wurde nicht nur der Rhein, sondern auch all die unzähligen Nebenflüsse und Bäche im Rheingraben umgebettet, begradigt, gelenkt. Bis heute zeugen zahlreiche Gräben und Wehre davon. Für die Landwirtschaft war das so bespielte System der Wässerwiesen sehr wichtig: Sämtliches anfallendes Wasser wurde über Gräben und Weiher von Häusern und Straßen weg, auf die Wiesen gelenkt und nach einem festgelegten Prinzip an die einzelnen Besitzer verteilt.
Vom Einspeisungswehr floss die Dorfbach Richtung Ort und querte am Rande der heutigen Siedlung Am Steinweg die Alte Bach. Südlich des heutigen Tolnaplatzes knickte der Lauf auf die Hauptstraße ein und entwässerte wenige Schritte vom Lindenplatz entfernt in die Alte Bach. Walter Scheidle illustrierte den Spaziergang vor Ort eindrucksvoll mit alten Karten und Photomaterial. Da waren Kinder beim Spielen in der Dorfbach, historische Straßenansichten und Bilder von Festen. Einen Zwischenstopp legte die kleine Gruppe zudem an der Wiesenstraße ein. Hier befand sich bis 1906 eine Pferdeschwemme, also eine aus der Bach ausufernde Tränke, die damals aus hygienischen Gründen geschlossen wurde.
Heute zeugt von der Dorfbach fast gar nichts mehr. Nur Eingeweihte wissen, wo das Betongerinne liegt, was sie über die Alte Bach führte. Der Bau einer Straßenkanalisation Anfang der 1960er bedeutete gleichzeitig ihr Ende. Auch der Lauf der Alten Bach ist heute anders. Keine 100 Jahre ist es her, dass ihr nördliches Bett in Blankenloch im Zuge der Pfinz-Saalbach-Korrektur um 200 Meter nach Osten verlegt wurde. Dort, wo wie einst hinter dem Alten Friedhof das Ende des Dorfes markierte fahren heute Autos auf der Badstraße und ensteht ein neues Wohngebiet.
Wer mehr über die bewegte Geschichte der alten Hardtdörfer Blankenloch und Büchig erfahren möchte, ist beim Heimat- und Museumsverein im Kerns-Max-Haus genau richtig. Kontakt: museumsverein@stutensee.net
Bildquellen:
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