Etwa 90 Teilnehmer:innen hatten sich in die Zoom-Konferenz der Freien Wähler am Donnerstag Abend eingeloggt. Der große Andrang war dem brisanten Thema geschuldet: Es ging um den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Mannheim. Die Diskutierenden waren sich einig, dass die Region geschlossen handeln muss, um Einfluss auf die Planungen der Bahn nehmen zu können.
„Die Bahn hat’s eilig“, stellte Gerd Hager, Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, fest. Schließlich liege Deutschland im Plan den anderen Ländern am Streckenverlauf Rotterdam – Genua hinterher, und hier sei der Abschnitt Karlsruhe – Mannheim das Schlusslicht.
Vertreten waren auch die Bürgerinitiativen aus Karlsdorf-Neuthard und Graben-Neudorf. Deren Sprecher Daniel Metz und Dietrich Knoche betonten, sich nicht nur für ihre Heimatorte einsetzen zu wollen. Wichtig sei es vielmehr, dass die ganze Region zusammenhalte. Ebenfalls sei es nicht das Ziel der Inititiativen, die Trasse komplett zu verhindern. Vielmehr solle eine verträgliche Lösung für Mensch und Natur gefunden werden. Metz zeigte sich zudem positiv von der Transparenz und Präzision der Bahn überrascht.
Oberbürgermeisterin Petra Becker sprach sich insbesondere gegen eine Trasse aus, die durch oder nah an Stutensee vorbeiführen könnte. Sie wolle „mit Vehemenz gegen eine übermäßige Belastung der Bürger“ vorgehen. Dabei seien auch die linksrheinischen Varianten zu prüfen. „Ich werde mich für die Interessen unserer Bürger einsetzen.“ Ihr gehe es jedoch nicht um das „Sankt-Florians-Prinzip“. Im kommenden Jahr sollen ihrer Information nach noch zehn Varianten im Gespräch sein.
Anders schätzten die Bürgerinitiativen die zeitliche Dimension ein. Die jetzt gefundenen Grobkorridore seien die Grundlagen für die Trassenfindung. Wo kein Grobkorridor sei, werde auch nicht nach einer Trasse gesucht. Gleichzeitig seien die Korridore auf der rechtsrheinischen Seite teilweise so schmal, dass sie einem Linienverlauf entsprächen. Dietrich Knoche nannte Beispiele für Raumwiderstände, die ihm nicht schlüssig erschienen. Alles sei jetzt im Detail zu prüfen.
„Ich bin tief besorgt, wie das Dialogforum abläuft“, äußerte sich Graben-Neudorfs Bürgermeister Christian Eheim. Ihn störe, dass die linksrheinischen Varianten mit Verweis auf längere Streckenverläufe so schnell abgetan würden. Ebenso kritisierte er das „Bündelungsgebot“. Danach spielt der Raumwiderstand aufgrund eines Siedlungsgebiets keine Rolle mehr, wenn die neue Trasse mit einem bestehenden Verkehrsweg – Bestandstrasse, beispielsweise durch Blankenloch und Friedrichstal, oder Autobahn – gebündelt wird. „Wir brauchen viel mehr Zeit“, so Eheim. Was jetzt entschieden wird, sei Grundlage für den weiteren Prozess.
Hager dämpfte die Hoffnungen etwas. Das Beteiligungsformat sei auf zwei Jahre ausgelegt, und bislang halte die Bahn daran fest. Sein Regionalverband habe jedoch ein Planungsbüro beauftragt. Das koste zwar, aber nur so könne man mit der Bahn auf Augenhöhe argumentieren. Er forderte einen fairen Vergleich aller Varianten. Allerdings sei klar: „Irgendwo muss man durch.“ Um bei der Bahn wahrgenommen zu werden, müsse die Region eine gemeinsame Linie verfolgen: „Unsere Durchschlagskraft ist groß, wenn wir zusammenhalten.“
Das betonte auch Eheim mit Verweis auf den Trassenbau in Südbaden mit dem Tunnel bei Rastatt. Dort hätten die Bürger gekämpft und vom Bundestag viele Millionen für mehr Lärmschutz erhalten. Es sei sogar durch Unterstützung von Land und Bund eine teurere Streckenvariante gewählt worden, die von der Region vorgeschlagen worden sei, ergänzte Hager.
Aus den Reihen der Veranstaltungsteilnehmer betonte Ludwig-Wilhelm Heidt, Ortsvorsteher von Staffort, dass für ihn aufgrund der jetzt schon hohen Lärmbelastung weder der Ausbau der Bestandsstrecke noch ein Neubau entlang der A5 in Frage kämen. Friedrichstals Ortsvorsteher Lutz Schönthal erklärte, dass die örtliche CDU bereits direkt mit dem Bundesverkehrsministerium in Kontakt stehe, um einen Ausbau der Strecke durch Stutensee zu verhindern. Der frühere Blankenlocher Ortsvorsteher Hanspeter Gaal hingegen rief dazu auf, positiver zu denken. Eine gute Lösung gebe es nicht nur beim Nachbarn.
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