Bislang hat sich die Stadtverwaltung unnachgiebig gezeigt, was das Entfernen der etwa vierzigjährigen Linden an der Blankenlocher Festhalle angeht. „Da ist nichts mehr zu machen“, hatte Erste Bürgermeisterin Sylvia Tröger noch in der Gemeinderatssitzung Ende September auf Bürgeranfrage betont. Die Pläne seien vor über zwei Jahren beschlossen worden und könnten nun nicht mehr aufgerollt werden. Einzig einer Verpflanzung von zwei der Linden hat der Gemeinderat im Nachgang noch zugestimmt.
Nachdem im Sommer einige Bürgerinnen und Bürger aus Blankenloch begonnen hatten, gegen die Entfernung der sechs gesunden Linden zu protestieren und ihrem Sprecher Franz Raupp-Lehner zufolge mittlerweile knapp 900 Unterschriften gesammelt haben, scheint es im Rathaus ein Umdenken zu geben. „Die Stadt Stutensee prüft derzeit nochmals detailliert, inwieweit im Rahmen des bereits geltenden Planungsrechts und mit welchem Kostenaufwand der Erhalt zumindest eines Teils der Lindenbäume am bisherigen Standort technisch ermöglicht werden könnte“, erklärt die Stadtverwaltung in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung.
Gleichzeitig wiederholt sie das Argument, dass an dieser Stelle eine Feuerwehraufstellfläche vorgesehen sei, welche eine verpflichtende Auflage darstelle. Die Stadt weist nun auch darauf hin, dass die Badstraße zwischen Gärten und altem Festhallenparkplatz dringend saniert werden müsse inklusive der dort vorhandenen Kanalinfrastruktur. „Die Kanäle befinden sich dabei zum Teil unter den insgesamt sechs Lindenbäumen, welche erst lange nach deren Herstellung im nordwestlichen Bereich der Festhalle Stutensee gepflanzt wurden“, so die Stadtverwaltung. Des Weiteren müsse aufgrund der übrigen Versorgungsinfrastruktur und technischer Erfordernisse hier auch die künftige, große Hauptwasserleitung für den „Wohnpark Mittendrin“ installiert werden. Oberbürgermeisterin Petra Becker verspricht einen „aktiven Dialog und volle Transparenz“.
Die Interessensgruppe der Bürger:innen, die sich für den Erhalt der Linden an ihrem jetzigen Standort einsetzen, kann dieser neuen Argumentation hingegen nicht folgen. „Warum wird die Kanalsanierung erst jetzt ins Spiel gebracht?“ wundert sich ihr Sprecher Franz Raupp-Lehner. Erst seien es die neuen Parkflächen gewesen, die eine Verlegung der Badstraße notwendig gemacht hätten, dann die Feuerwehrzufahrt. Die Stadt hätte ihnen gegenüber schriftlich versichert, dass weder der Grünstreifen an den Gärten noch der Kanal im Zuge der Baumaßnahmen angefasst würde. Vorschlag der Bürger:innen: Der alte Kanal soll bleiben wo er ist, unterhalb der jetzigen Badstraße soll ein neuer eingezogen werden.
„Das Ganze wurde ohne Bestandsplan angegangen“, vermutet Raupp-Lehner. Erst auf Nachfrage der Bürger hätten die Vermessungsarbeiten in diesem Sommer stattgefunden. Im Vergleich zum Siegerentwurf des Wohnpark Mittendrin würden im aktuellen Plan dreißig großkronige Bäume fehlen. Auch die „grüne Mitte“ des Quartiers sei bei den vorgesehenen Pflanzen um die Hälfte reduziert worden, moniert Raupp-Lehner weiter.
Trotzdem geben sich Raupp-Lehner und seine Mitstreiter kompromissbereit. „Vielleicht können ja immerhin ein paar der Linden an ihrem jetzigen Standort verbleiben.“ Die Stadtverwaltung hat ein persönliches Gespräch angeboten, sobald die Corona-Situation es zulasse.
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