In unserer Reihe “Aus der Lokalpolitik” schreibt heute Dr. Klaus Mayer, Fraktionsvorsitzende der Freie Wähler-Fraktion im Stutenseer Gemeinderat. Es handelt sich hierbei um die subjektive Darstellung der Fraktion.
Wir erleben in der Region seit vielen Jahren, dass die Preise für Grundstücke, Wohnungen und Häuser, egal ob Kauf oder Miete, nur eine Richtung kennen: nach oben. Der Grund hierfür ist die hohe Nachfrage, die durch das Angebot bei Weitem nicht gedeckt werden kann. Wenn wir Stutensee weiterentwickeln und bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen, dann müssen wir in unterschiedlichen Richtungen aktiv werden.
Dazu hat der Gemeinderat beschlossen, zum 1.1.2021 ein kommunales Wohnungsunternehmen (als Eigenbetrieb) zu gründen, das alle stadteigenen Wohnungen verwaltet und so den sozial notwendigen und gerechtfertigten Wohnbedarf stärken soll.
Ein wichtiger Baustein, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, bietet die Vermarktung stadteigener Grundstücke. Beim „Wohnpark Mittendrin“ ist es, über einen Wettbewerb, in beispielhafter Weise gelungen, mit dem Investor ein sinnvolles Verhältnis von sozial geförderten Mietwohnungen, normalen Mietwohnungen und Eigentumswohnungen zu vereinbaren. Diese Vorgehensweise möchten wir Freien Wähler auch bei künftigen Vermarktungen von entsprechend großen stadteigenen Flächen beibehalten, um das Angebot an bezahlbarem Wohnraum beeinflussen zu können.
Weiterhin werden im Flächennutzungsplan (FNP) 2030 Flächen für Baugebiete im Außenbereich ausgewiesen. Im Vergleich zum bisherigen FNP, ist dies sehr maßvoll geschehen, also mit deutlich weniger Flächen als in früheren Flächennutzungsplänen. Für die nördlichen Stadtteile sind insgesamt 15 ha eingetragen. Für Blankenloch und Büchig wurden aktuell keine Flächen ausgewiesen, aber es sind 16,2 ha in einem sogenannten Flächenpool für Stutensee verfügbar. Diese Fläche muss bis spätestens Ende 2022 konkret räumlich zugeordnet werden. Verwaltung und Gemeinderat werden also im kommenden Jahr, unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger, beginnen müssen, diese 16,2 ha örtlich festzulegen.
Ein weiterer Baustein, um die endliche Ressource Fläche effizient zu nutzen, ist die innerörtliche Entwicklung. Auch hierauf haben wir immer wieder hingewiesen. Wir haben innerorts zahlreiche unbebaute Grundstücke, wir haben aber auch – gerade in den alten Ortsteilen – leerstehenden Scheunen und große Gärten. Dieses Potential gilt es nutzbar zu machen. Das kann natürlich nur gemeinsam mit den Grundstückseigentümern funktionieren. Dazu möchten wir unterstreichen: Stutensee ist nicht Tübingen, wo mit Zwangsgeldern und Enteignung gedroht wird. Hier in Stutensee wollen wir dafür werben, diese Flächen zu nutzen und den Eigentümern Chancen aufzeigen, die sich daraus ergeben.
Mit dem Projekt „Südenstraße“ wurde ein erster Schritt getan, um einen unbebauten innerörtlichen Bereich über einen Bebauungsplan nutzbar zu machen. Diesem müssen allerdings Weitere folgen. Wir hatten dazu bereits den Bereich entlang der Badstraße zwischen dem Brunnengässle im Norden, der Gymnasiumstraße im Süden und der alten, gewachsenen Struktur entlang der Hauptstraße vorgeschlagen. Aber auch in den nördlichen Stadtteilen müssen wir die innerörtliche Entwicklung voran bringen. In jedem einzelnen Fall müssen unterschiedlichste Aspekte, vom Ortsbild über das Grüngerüst bis hin zur PKW-Stellplatzsituation abgewogen werden. Klar ist auch, dass es dafür sehr vieler Gespräche mit den Eigentümern bedarf. Doch es lohnt sich, dies anzugehen, denn Wertsteigerung einerseits und Wohnraum andererseits sollten helfen, diesen Prozess voran zu treiben.
Bildquellen:
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