Über 700 Unterschriften für Erhalt der Linden

Luca und Valentin

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 12.10.2020 21:25 | 13 Kommentare

In Blankenloch geht das Engagement der Anwohner:innen für die Linden an der Festhalle in eine neue Runde. Sie haben bereits über 700 Unterschriften für den Erhalt der sechs Bäume gesammelt. Besonders aktiv dabei sind Luca und Valentin, zwei 16-Jährige, die sich von der Lokalpolitik nicht ernstgenommen fühlen.

Den beiden 16-Jährigen, Luca und Valentin, will das nicht einleuchten: „Die Stadt möchte klimafreundlich werden und veranstaltet das Stadtradeln, um CO2 zu sparen – gleichzeitig plant man bewusst ein Projekt, bei dem solche wertvollen Bäume weg müssen“, wundert sich Valentin. Der frühere Schülersprecher der Erich-Kästner-Realschule kritisiert auch Erste Bürgermeisterin Sylvia Tröger für ihre Aussage, da sei jetzt nichts mehr zu machen. „Die Bäume stehen noch“, sagt er. „So lange kann noch etwas gemacht werden.“ Luca ergänzt: „Wir versuchen alles, damit sie stehen bleiben.“

Linden in der Badstraße

Lucas Eltern besitzen eins der angrenzenden Gartengrundstücke an der Badstraße. Zusammen mit Valentin, einem weiteren Freund und anderen Gartenbesitzern, wollen sie die Bevölkerung in Blankenloch aufrütteln. Mit Unterschriftenlisten sind sie durch den Ort gezogen. „Die Bürger haben erst durch uns von dem Thema erfahren“, berichtet Luca.

Als Jugendlicher könne man kaum etwas bewegen, beklagen beide. Sie hätten zwar vergangenes Jahr am Jugendforum teilgenommen und hätten über den Namen für das Wohngebiet abstimmen dürfen. Aber jetzt, wo es um etwas wirklich Wichtiges gehe, werde man nicht ernstgenommen. Bei einem Videotelefongespräch mit der Verwaltung und einigen Gemeinderäten seien ihre Ideen erst begrüßt, im nächsten Satz aber wieder verworfen worden. Jetzt Bäume versetzen zu wollen, sei nur eine Alibi-Aktion, nachdem der Bebauungsplan einstimmig beschlossen worden ist.

Der Argumentation der Stadtverwaltung, dass die Fläche als Feuerwehrzufahrt benötigt werde, können Luca und Valentin nicht folgen. Bisher sei der vorhandene Platz für die Feuerwehrzufahrt zur Festhalle auch ausreichend gewesen. Warum jetzt nicht mehr? Oberbürgermeisterin Petra Becker hatte in der letzten Gemeinderatssitzung hierzu erklärt, dass dieses Thema noch einmal mit der Feuerwehr besprochen worden sei. Die neue Zufahrt sei erforderlich, damit die Löschfahrzeuge nicht zurückstoßen müssen.

Was die Parkplätze, die in der Badstraße neu entstehen sollen, angeht, so seien diese zuerst für Besucher des Areals gedacht gewesen, berichten die beiden jungen Männer von ihren Nachforschungen, inzwischen seien sie für Besucher der Festhalle gedacht – obwohl die Festhalle ja einen neuen Parkplatz bekommen habe.

Auch irritiere sie, weshalb Innenverdichtung wichtig sei, die Gartengrundstücke an der Badstraße dennoch nicht bebaut werden dürften, weil sie den Lärm vom Festhallenparkplatz – den es nach Umsetzung des Bauprojekts nicht mehr gibt – für die Anwohner minimieren sollen.

Valentin und Luca verlangen nichts weniger, als die Planung neu aufzumachen und so zu gestalten, dass die Bäume erhalten werden können. Dafür würden Kosten für die Begradigung der Badstraße, das Anlegen der zehn Parkplätze und das beschlossene Verpflanzen von zwei Linden gespart werden.

Protestplakat

Die Motivation der beiden? „Man muss etwas für das Klima tun“, so Luca. Außerdem wecke das Vorgehen von Verwaltung und Politik ihren Widerspruchsgeist. Sie sehen Parallelen zum Lachwald. Über 700 Unterschriften gesammelt zu haben, sehen sie als großen Erfolg. Valentin überlegt, bei der nächsten Kommunalwahl auch politisch aktiv zu werden. Bei der letzten war er noch zu jung. Der Gemeinderat brauche frischen Wind. Entlang der Badstraße haben sie bereits Protestschilder aufgehängt.

Bildquellen:

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