Am gestrigen Dienstag fand die erste von vier öffentlichen Vorstellungen im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahl statt. Die fünf Kandidatinnen und Kandidaten saßen – umgeben von Mitgliedern des Gemeindewahlausschusses, die für das Erfassen der Redezeit zuständig waren – auf dem Podium. Der Saal der Festhalle war trotz gleichzeitig stattfindender Fußball-Weltmeisterschaft so gut besucht, dass viele Zuhörer nur im Stehen teilnehmen konnten.
Den Kandidaten wurde zunächst die Möglichkeit gegebenen, sich einzeln vorzustellen, während sich ihre Konkurrenten in einem Nebenraum befanden. Es folgte ein großer Fragenblock, bevor gegen 22 Uhr die Reihe der Schlussworte eingeläutet wurde.
Schon im Verlauf des bisherigen Wahlkampfs hatte sich abgezeichnet, dass die Bewerber aus den Vorgängen um den Lachwald-Bürgerentscheid ihre Schlüsse gezogen hatten. So stand eine bessere Bürgerbeteiligung sowie Transparenz in jedem der fünf Wahlprogramme. Die Entwicklung künftiger Wohngebiete solle nur behutsam und mit Bedacht erfolgen, auch hier waren sich alle einig. Einen absoluten Verzicht auf neue Baugebiete wollte hingegen auch keiner aussprechen.
Vorstellungsrunde
Bei der Vorstellungsrunde fiel Kandidat Sven Schiebel aus dem üblichen Muster, indem er die Zuhörer bat, ihre Augen zu schließen und ihm auf eine Gedankenreise zu folgen. Diese Aufforderung sorgte für Überraschung und Gelächter im Publikum.
Bettina Meier-Augenstein versprach den Bürgern „eine Stadt, auf die Sie stolz sein können“. Maria Schneller betonte, seit sieben Jahren in Stutensee zu wohnen – im Gegensatz zu den meisten anderen Kandidaten, die aus Karlsruhe bzw. Durlach kommen, aber allesamt Verwandte oder Freunde in Stutensee vorweisen können.
Martin Pötzsche nahm als einziger direkt Bezug auf den Lachwald-Bürgerentscheid, bei dem ihn das bürgerschaftliche Engagement beeindruckt habe. Petra Becker betonte, im Falle ihrer Wahl keine Oberverwaltungsbeamtin sein zu wollen. Vielmehr wolle sie für frischen Wind sorgen.
Fragen der Bürger
Die Fragen aus der Bevölkerung waren thematisch sehr vielfältig. Es ging um den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke, den alle Kandidaten ablehnten und lieber Alternativtrassen suchen wollten, und die finanzielle Situation der Stadt, die alle als mehr oder weniger gut einschätzten. Die Schaffung von kostengünstigem Wohnraum sahen alle als wichtig an – wobei Pötzsche bemerkte, dass das auf städtischem Grund einfacher zu realisieren sei. Das war genau die Argumentation der Verwaltung gewesen, den Lachwald zu bebauen.
Ein konkretes Problem griff eine Bürgerin aus Blankenloch auf, die ihren Stadtteil sehr schlecht an die L560 angeschlossen sah. Sie erhielt dafür die Zustimmung aller Kandidaten. Große Hoffnung auf eine Änderung der Situation wurde ihr jedoch nicht gemacht, weil eine andere Verkehrsführung aufgrund von Bahnstrecke und Gewässern baulich und finanziell schwierig sei.
Dafür konnten die Bewerber beantworten, ob sie nach ihrer Wahl nach Stutensee ziehen werden. Meier-Augenstein und Pötzsche sagten dies sofort zu, Becker wolle sich hier eine Zweitwohnung nehmen. Schneller und Schiebel wohnen bereits in Stutensee.
Auf die Frage des Vorsitzenden der Freien Wähler, Jens Richter, nach der Zusammenarbeit mit den Ortschaftsräten, beteuerten alle Kandidaten die Wichtigkeit dieser Gremien. Pötzsche, derzeit Ortschaftsrat in Durlach, konnte das aus seiner täglichen Praxis schildern.
Die Frage des früheren Baubürgermeisters Matthias Ehrlein, ob Stutensee weiter wachsen müsse und, wenn ja, wo, wurde nicht konkret beantwortet. Alle Kandidaten wollen die Ergebnisse der Perspektivwerkstatt abwarten und das weitere Vorgehen gemeinsam mit den Bürgern erarbeiten.
Ihr Verhältnis zu den Kirchen und die Zusammenarbeit sahen alle Kandidaten als wichtig an. Schneller und Schiebel erwähnten, dass sie in ihren Gemeinden bereits aktiv mitarbeiten würden.
Weitere Veranstaltungen
Weitere öffentliche Vorstellungen finden am 28.6. in Spöck (Spechaahalle), am 2.7. in Staffort (Mehrzweckhalle) und am 4.7. in Friedrichstal (Sängerhalle) statt. Die Wahl ist am 8. Juli.
Bildquellen:
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