Fehlender Mut

Enderle überreicht Demal ein Erinnerungsgeschenk

Bild: Martin Strohal

Von Sebastian Raviol | 10.02.2015 11:57 | 4 Kommentare

Die Hand reichten sich Susanne Enderle (Die Partei) und Klaus Demal (Freie Wähler) auch im verbalen Duell.

Die Hand reichten sich Susanne Enderle (Die Partei) und Klaus Demal (Freie Wähler) auch im verbalen Duell.

Ein Kommentar zur Oberbürgermeister-Wahl

Im Endspurt vor dem Wahl-Höhepunkt am vergangenen Sonntag packte Susanne Enderle (Die Partei) nochmal einen aus: „Freibier für gemeinnützige Zwecke“ statt aufwändiger Wahl-Plakatierung verspreche sie den Bürgern. Ein verlockendes Angebot – dennoch bleibt Klaus Demal (Freie Wähler) Oberbürgermeister. Verstecken muss sich Enderle vor dem Wahlergebnis jedoch nicht. Mit 13 Prozent ist sie nach Parteiangaben deutschlandweit die erfolgreichste Bürgermeister-Kandidatin ihrer Partei.

Mutlose Parteien in Stutensee

Mit dem Antreten der Partei hatte sich bei der OB-Wahl eine äußerst interessante Konstellation ergeben. Zum einen macht „Die Partei“ neugierig, zum anderen gab es endlich eine Wahl zwischen mehr als nur einem Kandidaten. Doch da fragt man sich: Warum muss sich erst ein Ortsverband einer Satire-Partei gründen, damit es einen Gegenkandidaten gibt? CDU, SPD, Die Grünen – es gibt sie hier in Stutensee, die etablierten Parteien. Doch diese haben wie vor acht Jahren angesichts des Favoriten Demal erst gar keinen Kandidaten gestellt. In diesem Sinne: Chapeau vor Ihrem Mut, Frau Enderle! Auch dass die Wahl-Beteiligung um etwa zehn Prozentpunkte angestiegen ist, darf man getrost der Weingartenerin zuschreiben.

Die Kandidatenvorstellung: Punktsieg für Demal

Der Wahlkampf der Partei war mutig, frech, herausfordernd – allerdings nur im optischen Bereich. Kecken Aussagen im Online-Bereich und provokanten Wahlplakaten folgte verbal bei der Kandidatenstellung recht wenig. Beide Kandidaten berichteten sich ergänzend, welche Pläne für Stutensee bereits feststünden. Dass Enderle als Politik-Einsteigerin gegenüber dem bisherigen Amtsinhaber dabei weniger zu berichten hat, ist naturgemäß. Doch anstatt sich von fremden Terrain weg zu bewegen und selbst mit eigenen Plänen, Forderungen oder Kritik in die Offensive zu gehen, spielte sie weiter defensiv mit.

Auch wenn unter den Wählern spekuliert wurde, ob Demal beim Vorstellungsabend der Kandidaten in Blankenloch Fragen „bestellt“ habe, um Enderle ins Stolpern zu bringen: Die Gegenkandidatin hat dort letztlich keinen Boden auf den Favoriten gut gemacht. Dabei schien gerade ihr Einstieg als Jung-Politikerin, gepaart mit der frechen Art ihrer Partei, eine gute Karte zu sein, die es auszuspielen galt.

Die Idee hinter „Die Partei“: Vielen Wählern bis heute unbekannt

Wer sich über „Die Partei“ im Vorfeld informiert hatte und bei der Kandidatenvorstellung satirische Züge erwartete, wurde enttäuscht. Spricht man mit den Wählern, fragt man sich: Wer versteht „Die Partei“ eigentlich richtig? Bis heute gibt es viele Wähler, die nichts von Martin Sonneborn (Parteivorsitzender) oder der Satire hinter der Partei wissen. Man muss Enderle und ihren Kollegen vorhalten, dass sie ihre Idee einigen Wählern nicht nachvollziehbar machen konnten. Die Möglichkeit dazu hatten sie an zwei Vorstellungsabenden.

So ist es der fehlende Mut, die Idee ihrer Partei noch konsequenter umzusetzen, der Susanne Enderle nicht den Wahlsieg, aber sicher ein paar Prozentpunkte gekostet hat. Nach jetzigem Stand darf Demal bei der nächsten OB-Wahl nicht mehr antreten – ob sich dann die etablierten Parteien trauen, einen Kandidaten zu stellen?

 

Bildquellen:

  • Susanne Enderle und Klaus Demal: Sebastian Raviol
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